Im Wochenmeeting bei meinem letzten Arbeitgeber haben wir jeweils die Highlights und Lowlights der vergangenen Tage, seit der letzten Sitzung, zusammengetragen. Das fand ich immer eine gute Sache. Vor allem die Highlights. Auch in chaotischen Zeiten zeigte uns das auf, dass nicht alles schlecht und doof war. Ich wende diese Taktik auch in der aktuellen Situation an. Und so kommt es, dass für mich 9'659 Schritte das Highlight dieser Woche sind.
Lange Zeit war Neuseeland dermassen vom Rest der Welt abgeschottet, dass der Kiwi keine natürlichen Feinde hatte. Er musste nicht damit rechnen, von einem anderen Tier angegriffen und gefressen zu werden. So war es auch nicht nötig, fliegender Weise zu fliehen. Da fand die Natur dann wohl, dass der Vogel auch keine Flügel mehr braucht. So verkümmerten sie irgendwann im Laufe der Zeit und bildeten sich zu kleinen Stummeln zurück.
Heutzutage sieht das freilich anders aus. Mit der Besiedelung Neuseelands durch die Europäer (Engländer, Franzosen und Holländer) im 18. und 19. Jahrhundert schleppten sie auch Viecher (Hunde, Katzen, Wiesel etc.) ein, die für die am Boden herumwuselnden - und mittlerweile fluglahmen Kiwis - zur Todesfalle wurden. Deshalb ist diese Tierart heute bedroht. Die Neuseeländer setzen alles daran, die Fressfeinde ihres Wappentieres auszurotten.
So viel zum heutigen Geschichtsunterricht. (Stimme aus dem Off: Aber was hat das mit Highlights der Woche zu tun?) Die Story hat mir in der aktuellen Zeit der Isolation zu denken gegeben. Also die Tatsache, dass ein Körperteil wegen Nichtgebrauchs verkümmern kann. Da stellt sich doch unweigerlich die Frage: Kann das auch uns Menschen passieren? Bilden sich unsere Beine von der vielen Rumsitzerei irgendwann zurück, weil wir sie ja faktisch kaum mehr brauchen? Und wie schnell geht das? (Stimme aus dem Off: Häää? Komm endlich zum Punkt.)
Da ich kein Risiko eingehen wollte, habe ich mich gestern aus meiner 14-tägigen selbst auferlegten Quarantäne entlassen und einen langen Spaziergang gemacht. Tatsächlich habe ich es auf 9'659 Schritte gebracht. Das ist eigentlich mehr als zu Zeiten eines hektischen Arbeitstages ohne Sport. Es war grandios, so Bewegung an der Sonne. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich das machen konnte. Das Kribbeln in den Beinen ist nämlich sehr unangenehm. Natürlich gilt immer noch #stayhome aber nach zwei Wochen, ohne einmal das Haus zu verlassen, habe ich mir das verdient. (Stimme aus dem Off: Aha! Voilà, jetzt ist der Zusammenhang klar.)
Was mich diese Woche sonst noch bewegt hat
Die Lieferung des Gemüse- und Obsthändlers (so praktisch). Amüsante Telefonate mit der Polizei (die sind eigentlich immer der Brüller). Ich habe die Quarantänezeit überstanden und bin offenbar ohne Tante Corona im Handgepäck nachhause gekommen. Ein Ganggespräch mit den Nachbarn (so schön, mal jemanden live und in Farbe zu sehen). Mein erstes Skype Vorstellungsgespräch ist geglückt (drückt mir die Daumen). Die Kaffeekapsellieferung von Nespresso. Unzählige Nachrichten und Anrufe von Familie und Freunden, die sich nach meinem Wohlbefinden erkundigen. Überraschungsblumengrüsse an Familie und Freunde verschickt. Kurz-Zweimeter-Distanzbesuche bei Freundinnen und Übergabe der Ferienmitbringsel (inklusive Lowlight der Woche: "Darf ich s'Gotti nicht ganz kurz umarmen?" Leider nein, sniff).
Und ihr so?
#stayhome #socialdistancing #COVID19 #bliibetgsund
Don‘t be a #COVIDIOT
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‚Krähe‘ (Samstag, 04 April 2020 11:38)
Dass du unseri Telifon so positiv empfindsch, könnt notürlig au drmit zämmehänge, wil mir dr Umgang mit Lüt gwohnt sin, wo e schwäre Knick in dr Fichte hän...
Nur die schwäre Fäll mien mir zrugg an d Flughaafestrooss bringe, bi de meischte längt ebbe scho e Telifon....
Amy Sheep (Samstag, 04 April 2020 11:42)
Antwort an Krähe:
Ich glaube es ist eine Palme und keine Fichte...
Jaël S. (Samstag, 04 April 2020 11:56)
ich vermiss Di Gotti und will dass die Kranket bald ewäg isch...